Afternoon Tea – Britisches Ritual zum Mitmachen
Es gibt kaum ein Ritual, das so englisch ist wie der Afternoon Tea. Er ist mehr als eine Mahlzeit, eher eine kleine gesellschaftliche Inszenierung zwischen Porzellan, Gebäck und Etikette. Und ja, man darf sich ruhig ein bisschen royal fühlen, wenn man ihn richtig zelebriert.
Wie alles begann
Der Afternoon Tea wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von Anna Maria Russell, Herzogin von Bedford, eingeführt. Damals war es üblich, nur zweimal am Tag zu essen – Frühstück und ein spätes Abendessen. Die Herzogin bekam am Nachmittag Hunger, bestellte Tee, Brot, Butter und kleine Kuchen in ihr Zimmer – und lud bald Freundinnen dazu ein. Aus dieser simplen Idee wurde eine gesellschaftliche Institution.
Die perfekte Uhrzeit
Traditionell wird der Afternoon Tea zwischen 15:30 und 17:00 Uhr serviert – die „goldene Stunde des Tees“. Wer in England unterwegs ist, findet fast in jeder Stadt ein Café oder Hotel, das diese Tradition pflegt.
Wenn du in London bist, findest du dort einige der berühmtesten Orte für Afternoon Tea – etwa The Ritz oder Fortnum & Mason.
Was dazugehört
Ein klassischer Afternoon Tea besteht aus drei Etagen auf einer Etagere:
- Unten: kleine Sandwiches mit Gurke, Lachs oder Ei.
- Mitte: Scones mit Clotted Cream und Erdbeermarmelade.
- Oben: feine Küchlein, Macarons oder Törtchen.
Dazu eine Kanne frisch aufgebrühter Tee – am beliebtesten Earl Grey oder Darjeeling. Milch kommt erst in die Tasse, wenn der Tee eingeschenkt ist (auch wenn die Briten darüber leidenschaftlich streiten).
Interessant zu wissen
- „High Tea“ ist nicht dasselbe wie „Afternoon Tea“. Der High Tea war ursprünglich ein einfaches Abendessen der Arbeiterklasse, mit deftigen Speisen.
- Das Ritz in London verlangt Dresscode – keine Jeans, keine Turnschuhe.
- Clotted Cream ist ein dicker Rahm aus Cornwall oder Devon. Zwischen beiden Grafschaften herrscht eine regelrechte „Scones-Schlacht“, wer zuerst Marmelade oder Cream aufträgt.
- Pro Jahr trinken die Briten über 100 Millionen Tassen Tee – täglich.
Wo der Tee am besten schmeckt
- The Ritz, London: Klassiker mit Pianobegleitung, Silberbesteck und Strenge.
- Claridge’s, London: moderner, aber elegant.
- Bettys Tea Room, York: nordenglische Ikone mit nostalgischem Charme.
- The Pump Room, Bath: Afternoon Tea mit Blick auf römische Bäder – perfekt für Zeitreisende.
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Tipps für den perfekten Afternoon Tea zu Hause
- Verwende echtes Porzellan, keine Becher.
- Lege eine kleine Tischdecke auf, falte Servietten ordentlich.
- Serviere Sandwiches ohne Rinde – und in Dreiecke geschnitten.
- Tee 3–5 Minuten ziehen lassen, nicht länger, sonst wird er bitter.
- Wenn’s stilvoll sein soll: klassische Musik oder Jazz im Hintergrund.
Q&A – Häufige Fragen zum Afternoon Tea
Was kostet ein Afternoon Tea in England?
Zwischen 20 und 80 Pfund – je nach Ort und Renommee. Im Ritz zahlt man etwa 75 Pfund pro Person.
Braucht man eine Reservierung?
Ja, unbedingt. In London sind Termine oft Wochen im Voraus ausgebucht.
Kann man auch vegetarisch oder vegan Afternoon Tea genießen?
Ja, viele Häuser bieten inzwischen entsprechende Varianten an.
Was zieht man an?
Smart casual. Jeans sind meist erlaubt, aber Sneakers oder Hoodies eher nicht.
Wann ist die beste Jahreszeit?
Ganzjährig – aber besonders charmant im Winter, wenn draußen der Regen prasselt und drinnen der Tee dampft.
Fazit
Der Afternoon Tea ist kein touristisches Klischee, sondern ein liebevoll gepflegtes Stück britischer Kultur. Wer ihn erlebt, versteht ein bisschen mehr von der englischen Seele – elegant, gesellig, leicht ironisch und immer mit einem Schuss Stil.

