Leicester, Foto: Nirmal Rajendharkumar / Unsplash

Leicester – Geschichte, König Richard III. und Moderne

Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die kein Romanautor besser erfinden könnte. Leicester, mitten in den East Midlands, ist so ein Ort: eine Stadt, die jahrhundertelang in der zweiten Reihe stand – bis man 2012 in einem unscheinbaren Parkplatz das Skelett eines englischen Königs fand. Seither ist Leicester nicht mehr nur Industriestadt, sondern Geschichtsbühne.

Lage und Anreise

Leicester liegt etwa 160 Kilometer nördlich von London in der Grafschaft Leicestershire. Mit dem Zug dauert die Fahrt von London St Pancras rund 70 Minuten. Rund 350.000 Menschen leben hier – und machen die Stadt zu einer der kulturell vielfältigsten in ganz England.

Richard III. – Der König unter dem Asphalt

Es war eine Sensation: Im Jahr 2012 entdeckten Archäologen unter einem Parkplatz die sterblichen Überreste von König Richard III., der 1485 in der Schlacht von Bosworth gefallen war. Sein Tod markierte das Ende der Rosenkriege – und den Beginn der Tudor-Dynastie.

Heute kann man im King Richard III Visitor Centre die Geschichte des Fundes und die Rekonstruktion des Monarchen erleben. Nur wenige Schritte entfernt liegt sein Grab in der Leicester Cathedral, schlicht, aber würdevoll.

Tipp: Mehr über Englands Burgen und Schlachten findest du im Artikel über Northumberland und seine Festungen.

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Von Römern, Normannen und Industriebaronen

Leicester blickt auf über 2.000 Jahre Geschichte zurück. Die Römer nannten sie Ratae Corieltauvorum, später wurde sie normannisch befestigt. Im 19. Jahrhundert wuchs Leicester rasant – dank Textilindustrie, Schuhproduktion und Maschinenbau.

Heute erinnert das Jewry Wall Museum an die römische Vergangenheit, während die Leicester Guildhall mit Fachwerkromantik aus dem 14. Jahrhundert lockt.

Moderne Stadt mit Energie

Leicester hat sich neu erfunden:

  • Die Highcross Shopping Mall verbindet historische Straßenzüge mit moderner Architektur.
  • Im National Space Centre kann man Weltraumforschung hautnah erleben – samt 42 Meter hoher Raketenhalle.
  • Und wer abends ausgehen will, findet in der Cultural Quarter um das Curve Theatre jede Menge Szene-Cafés, Bars und Kunst.

Leicester ist heute auch Heimat einer der größten indischstämmigen Communities Europas. Besonders zum Diwali-Festival verwandeln sich ganze Straßenzüge in ein Meer aus Lichtern – das größte Diwali außerhalb Indiens.

Interessant zu wissen

  • Leicester war 1919 die erste Stadt Englands mit einem „non-white“ Lord Mayor.
  • Beim Fund von Richard III. war das entscheidende DNA-Match nur durch einen entfernten Nachfahren aus Kanada möglich.
  • Das King Power Stadium von Leicester City FC wurde 2016 zum Symbol des Unmöglichen: Als Außenseiter gewann der Verein die Premier League – Quoten 1:5000.

Q&A – Häufige Fragen zu Leicester

Wie spricht man Leicester richtig aus?
„Lester“. Die Briten sparen sich gern Buchstaben.

Was kostet der Eintritt ins Richard III Visitor Centre?
Etwa 12 Pfund für Erwachsene. Kinder zahlen die Hälfte.

Was ist die beste Jahreszeit für einen Besuch?
Im Herbst, wenn das Diwali-Festival die Stadt erleuchtet. Oder im Frühjahr, wenn das Space Centre thematisch perfekt zur klaren Nacht passt.

Wie groß ist die Stadt?
Leicester ist kompakt – perfekt für einen Tagesausflug zu Fuß oder mit dem Bus.

Gibt es gute Märkte oder Food-Spots?
Ja, der Leicester Market ist einer der größten überdachten Märkte Europas. Dort findet man Streetfood, Kleidung und britische Klassiker wie Pies und Fudge.

Fazit

Leicester ist ein Ort, an dem Geschichte buchstäblich unter den Füßen liegt – und wo Moderne und Multikulti sich die Hand geben. Zwischen König, Kathedrale und Curry-Duft hat diese Stadt ihren ganz eigenen Rhythmus gefunden – bodenständig, überraschend und lebendig.

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