Northumberland, Foto: Andrew Ridley / Unsplash

Nationalparks in England – Natur, Geschichte und eine Prise britischer Eigenart

Es gibt Dinge, die nur die Engländer können: Regen so selbstverständlich hinnehmen wie Tee zum Frühstück – und Landschaften pflegen, die aussehen, als wären sie direkt aus einem Roman von Jane Austen entsprungen. Die Nationalparks Englands sind genau das: zehn Schutzgebiete von der Jurassic Coast bis zu den Moors Yorkshires, jedes mit eigenem Charakter, jedes frei zugänglich. Ein Überblick.

Was machen die Nationalparks Englands so besonders?

In vielen Ländern sind Nationalparks Synonyme für Wildnis, für unberührte Natur ohne menschliche Spuren. In England ist das anders. Hier mischen sich uralte Dörfer, Weiden mit grasenden Schafen, jahrhundertealte Trockenmauern und historische Relikte mit Mooren, Wäldern und Seen. Es ist eine Kulturlandschaft, die nicht weniger spektakulär wirkt – nur eben typisch englisch: charmant, bodenständig und von der Geschichte durchzogen.

Aktuell gibt es zehn Nationalparks in England, die zusammen fast zehn Prozent der gesamten Landesfläche ausmachen. Von mystischen Moorlandschaften hin zu schroffen Küstenabschnitten – sie alle haben ihren eigenen Charakter.

Die Nationalparks im Überblick

Lake District – Englands Ikone

Wenn man nur einen Park nennen dürfte, dann den Lake District. Schon die Dichter der Romantik pilgerten hierher, William Wordsworth und Beatrix Potter machten ihn weltberühmt.

  • Highlight: Scafell Pike, mit 978 Metern Englands höchster Berg.
  • Besonderheit: 16 größere Seen, unzählige Tarns (kleine Bergseen), dazwischen Schafe, soweit das Auge reicht.
  • Gut zu wissen: Der Lake District ist UNESCO-Welterbe – und das meistbesuchte Schutzgebiet des Landes.

Mein Tipp: Wer Lust hat, die Stimmung mitzunehmen, sollte unbedingt ein Exemplar von Wordsworths Gedichten* oder Beatrix Potters Peter Hase* im Gepäck haben.

Dartmoor – Mystik, Moore und Sherlock Holmes

Dartmoor ist England pur, aber in rauer Form. Nebel, Moor, Ponys. Hier schrieb Sir Arthur Conan Doyle Der Hund von Baskerville* – und spätestens, wenn man zwischen den Granittors steht, versteht man warum.

  • Highlight: Die bizarren Granitfelsen, die sogenannten Tors.
  • Besonderheit: Dartmoor-Ponys, die frei über die Landschaft ziehen.
  • Interessant: Dartmoor gilt als das Gebiet mit der höchsten Dichte prähistorischer Fundstätten in England.

Für Abenteuerlustige: In Dartmoor ist Wildcampen offiziell erlaubt – eine Seltenheit in England.

Exmoor – das stille Juwel

Weniger bekannt als der Lake District, aber genauso faszinierend: Exmoor.

  • Highlight: Steilküsten am Bristol Channel, die zu den höchsten Englands zählen.
  • Besonderheit: Europas erstes Dark Sky Reserve – Sterne gucken deluxe.
  • Gut zu wissen: Exmoor ist eines der am wenigsten besuchten Gebiete – perfekt für Ruhesuchende.

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Yorkshire Dales – Mauern, Täler und drei Gipfel

Die Dales sind eine Postkartenlandschaft: grüne Täler, durchzogen von Trockenmauern, überragt von Kalksteinfelsen.

  • Highlight: Der „Three Peaks“-Trail – drei Gipfel an einem Tag.
  • Besonderheit: Malham Cove, eine riesige Kalksteinwand, diente schon als Harry-Potter-Filmlocation.
  • Interessant: In den Dales gibt es mehr Schafe als Menschen.

Wer die Atmosphäre einfangen will: ein stilvolles Wanderbuch oder eine hochwertige Karte* helfen weiter.

North York Moors – ein violettes Meer

Wenn die Heide blüht, verwandeln sich die North York Moors in ein lilafarbenes Meer.

  • Highlight: Whitby Abbey – Inspiration für Bram Stokers Dracula.
  • Besonderheit: Die größte zusammenhängende Heidekrautfläche Europas.
  • Gut zu wissen: 75 % des weltweiten Heidekrautmoors liegen in Großbritannien.

Northumberland – Englands einsamer Norden

Ganz oben, an der Grenze zu Schottland, liegt der Northumberland National Park.

  • Highlight: Hadrianswall – UNESCO-Welterbe und Relikt des römischen Imperiums.
  • Besonderheit: Cheviot Hills und Sternenhimmel, so klar, dass man die Milchstraße mit bloßem Auge sehen kann.
  • Interessant: Northumberland ist einer der am wenigsten besuchten Parks – wer Ruhe sucht, wird hier glücklich.

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Peak District – der erste Nationalpark

1951 wurde der Peak District der erste Nationalpark Englands.

  • Highlight: Pennine Way, der berühmteste Fernwanderweg.
  • Besonderheit: Chatsworth House, bekannt aus Stolz und Vorurteil.
  • Gut zu wissen: Trotz des Namens gibt es hier keine hohen Gipfel, sondern sanfte Hügel.

South Downs – sanfte Hügel und weiße Klippen

Der jüngste Nationalpark (2010 gegründet) liegt im Süden.

  • Highlight: Die Kreideklippen „Seven Sisters“.
  • Besonderheit: South Downs Way, 160 Kilometer Fernwanderweg.
  • Interessant: Im Devil’s Dyke, einem Tal im Park, soll der Teufel selbst gegraben haben.

New Forest – alte Bäume und freie Tiere

Der New Forest ist alles andere als „neu“. Manche seiner Eichen und Eiben sind über 1000 Jahre alt.

  • Highlight: Halbwilde Ponys, Rinder und Schweine, die sich frei bewegen dürfen.
  • Besonderheit: Ehemaliges Jagdrevier von Wilhelm dem Eroberer.
  • Gut zu wissen: Das Weiderecht der Einheimischen gilt bis heute.

The Broads – Englands Wasserlabyrinth

Ein Sonderfall: The Broads in Norfolk und Suffolk bestehen aus Flüssen, Kanälen und Seen.

  • Highlight: 200 Kilometer schiffbare Wasserwege.
  • Besonderheit: Ideal für Hausboot-Fans.
  • Interessant: Die Landschaft wurde im Mittelalter durch den Torfabbau geformt – unfreiwillig entstand so ein Paradies für Vögel und Naturfreunde.

Passend dazu: Ein Buch über Hausboot-Touren oder Fernglas* für Vogelbeobachtungen.

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Typische Fragen zu den Nationalparks in England

Wie viele Nationalparks gibt es in England?
Zehn – von den South Downs bis Northumberland.

Kostet der Eintritt?
Nein, die Parks sind frei zugänglich.

Sind Hunde erlaubt?
Ja, aber bitte an die Leine, besonders während der Lammzeit und in Naturschutzgebieten.

Kann man dort übernachten?
Offizielle Campingplätze und Cottages gibt es reichlich – wildcampen ist fast überall verboten, außer in Teilen von Dartmoor.

Wann ist die beste Reisezeit?
Frühling und Herbst sind ideal – weniger überlaufen, mildes Wetter, und die Landschaft zeigt sich von ihrer schönsten Seite.

Fazit

Nationalparks in England sind mehr als nur hübsche Landschaft. Sie sind Geschichte zum Anfassen, Natur zum Durchatmen und ein Stück Seele des Landes. Ob man nun auf den Spuren der Dichter im Lake District wandelt, in den Mooren von Dartmoor Sherlock Holmes nachempfindet oder an den Klippen der South Downs den Ärmelkanal überblickt – jeder Park erzählt seine eigene Geschichte.

Wenn du also das nächste Mal nach England reist, plane unbedingt einen Abstecher in mindestens einen dieser Parks ein. Und glaub mir: wenn du nachts im Exmoor die Milchstraße siehst, denkst du, du wärst plötzlich nicht mehr in England – sondern mitten im Universum.



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