Cornish Pasty – Die Geschichte der britischen Kult-Tasche
Es gibt Momente, da riecht man eine Reise förmlich. Für mich ist das Cornwall – nicht wegen salziger Seeluft oder wilder Klippen, sondern wegen einer unscheinbaren Teigtasche, die hier zur Legende wurde: die Cornish Pasty. Auf den ersten Blick eine einfache Pastete, auf den zweiten ein ganzes Stück britischer Identität, mit Schutzbezeichnung der EU und einer Geschichte, die bis ins Mittelalter reicht.
Cornish Pastry – Eine Teigtasche mit Geschichte
Die Cornish Pasty stammt – Überraschung – aus Cornwall, im äußersten Südwesten Englands. Schon im 13. Jahrhundert gibt es erste Erwähnungen, richtig populär wurde sie aber im 18. und 19. Jahrhundert. Damals packten Bergarbeiter ihre Mittagspause in diese halbrunde Teigtasche: eine Hälfte Fleisch, die andere süß gefüllt mit Apfel oder Marmelade. So hatte man in einem einzigen Gebäck Hauptspeise und Dessert. Praktisch, oder?
Besonders genial war der dicke, geflochtene Rand. Er diente den Minenarbeitern als „Griff“. Mit schmutzigen Händen aß man einfach den Inhalt, warf den Rand weg und vermied so Arsen- und Zinnreste am Essen.
Was gehört in eine echte Cornish Pasty?
Die Regeln sind streng. Eine „echte“ Cornish Pasty trägt sogar das EU-Siegel für „geschützte geografische Angabe“. Drin sein müssen:
- Kartoffeln
- Steckrüben (Swedes, in Cornwall liebevoll „turnip“ genannt)
- Zwiebeln
- Rindfleisch (traditionell aus Cornwall)
Alles roh, fein gewürfelt, in den Teig gefüllt und dann gebacken. Kein Schummeln, kein Gemüse aus der Dose, kein anderes Fleisch. Nur so darf sie offiziell „Cornish Pasty“ heißen.
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Interessant zu wissen
Die Cornish Pasty war so erfolgreich, dass sie mit den Auswanderern nach Amerika, Australien und Südafrika reiste. In Michigan (USA) ist sie heute noch State Food. Und in Mexiko gibt es die „paste“, eine fast identische Variante.
Wo probiert man sie am besten?
Natürlich in Cornwall selbst. Besonders in den Küstenorten wie St Ives, Padstow oder Penzance reiht sich Pasty-Bakery an Pasty-Bakery. Mein Tipp: Morgens frisch aus dem Ofen kaufen, an die Klippen setzen, Möwen verscheuchen – und genießen.
Wer nicht sofort nach Cornwall fahren will, findet die Teigtaschen auch in London in jeder guten Bäckerei. Und für den Heißhunger daheim gibt es Backmischungen und tiefgekühlte Varianten, die erstaunlich nah ans Original kommen.
Q&A – Häufige Fragen zur Cornish Pasty
Warum heißt sie eigentlich Pasty und nicht Pastete?
„Pasty“ ist das altenglische Wort für eine mit Fleisch gefüllte Teigtasche. Sie unterscheidet sich von der klassischen Pastete, die eher aus Blätterteig besteht und in einer Form gebacken wird.
Kann man Cornish Pasties auch vegetarisch machen?
Natürlich. Streng genommen sind sie dann keine „Cornish Pasties“ mehr, aber in Cornwall selbst gibt es inzwischen Varianten mit Käse, Gemüse oder Linsen (wenn auch Puristen dabei die Nase rümpfen).
Wie isst man eine Cornish Pasty richtig?
Am besten heiß aus der Hand. Teller und Besteck sind überflüssig – und genau das ist ja der Charme dieser rustikalen Spezialität.
Wie groß ist eine Cornish Pasty?
Traditionell so groß, dass sie eine ganze Mahlzeit ersetzt. Im Schnitt wiegt eine Pasty zwischen 250 und 300 Gramm.
Wo bekommt man das beste Original?
Die Cornish Pasty Association empfiehlt Bäcker in Cornwall, die das EU-Siegel tragen. Aber auch große Ketten wie „West Cornwall Pasty Co.“ haben akzeptable Versionen.
Fazit
Die Cornish Pasty ist mehr als ein Snack – sie ist ein Symbol für harte Arbeit, pfiffige Esskultur und ein Stück englisches Kulturerbe. Wer Cornwall besucht, kommt an ihr nicht vorbei. Und ganz ehrlich: Es gibt schlechtere Gründe, eine Reise in den Südwesten Englands zu planen.

