Küste von Devon, Foto: Gregoire Jeanneau / Unsplash

Devon im Sommer – Englands Geheimküste vor Cornwall

Wer nach Cornwall fährt, fährt durch Devon. Und das ist ein Fehler – zumindest, wenn man Devon dabei übersieht. Denn die Grafschaft zwischen Exmoor und dem Dartmoor, zwischen Atlantik und Ärmelkanal, hat mehr zu bieten, als die meisten Reisenden ahnen: zwei Küsten, weiße Sandstrände, mittelalterliche Hafenstädte und ein Tempo, das gut tut. Und das Schönste: Devon ist noch nicht überlaufen.

Zwei Küsten, ein Land

Devon ist die einzige Grafschaft Englands mit zwei Küsten – und das allein erklärt, warum ein einziger Besuch kaum reicht.

Im Norden trifft man auf die rauere Seite: Der Atlantik formt hier lange, offene Sandbänke, und Wellen, die Surfer aus ganz Europa anlocken. Im Süden dagegen liegt das Licht anders. Die Buchen sind kleiner, die Buchten enger, das Wasser wirkt in der Sonne fast türkisfarben. Man spricht hier von der English Riviera – und das ist keine Übertreibung.

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Die schönsten Strände in Devon

Woolacombe – Dreimeilen-Strand im Norden

Woolacombe, Foto: Peter Ford / Unsplash
Woolacombe, Foto: Peter Ford/Unsplash

Wer viel Platz benötigt, kommt nach Woolacombe an der Nordküste. Drei Meilen goldener Sand, Atlantikwind, und Wellen, die hoch genug sind für Anfänger und Profis gleichermaßen. Woolacombe ist einer der meistgelobten Familienstrände des Landes – und trotzdem wirkt er selten wirklich voll, weil er schlicht so groß ist.

Croyde Bay – Surfen im UNESCO-Weltsurfreservat

Croyde Bay, Foto: Ethan Wilkinson / Unsplash
Croyde Bay, Foto: Ethan Wilkinson / Unsplash

Nur wenige Kilometer südlich liegt Croyde Bay, Teil des UNESCO World Surfing Reserve. Die Wellen hier sind konstant, der Sand breit, das Dorf dahinter charmant und mit guten Pubs ausgestattet. Im Sommer treffen sich hier Surfcamps, Familien und Aussteiger – eine ungewöhnlich harmonische Mischung.

Blackpool Sands – Postkartenstrand bei Dartmouth

Kein Vergnügungspark, kein Trubel – nur ein Bogen aus feinem, hellem Kies, eingerahmt von Pinien und sanften Hügeln. Blackpool Sands liegt direkt am South West Coast Path, ist ausgezeichnet und hat trotzdem etwas Stilles, Privates. Das Wasser ist klar genug zum Schnorcheln, der Strand gehört zu den schönsten in ganz England.

Salcombe South Sands – Familienstrand mit Meerblick

Salcombe South Sands, Foto: Paavan B / Unsplash
Salcombe South Sands, Foto: Paavan B/Unsplash

Am Mündungsbereich des Kingsbridge River liegt Salcombe South Sands, ideal für Kanu, Segeln und entspannte Nachmittage mit Kindern. Und wer weitergeht bis Hope Cove, findet in Mouthwell Sands eine der schönsten kleinen Buchten der Grafschaft – mit Felsenpools und kaum Touristen.

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Orte, die man gesehen haben muss

Dartmouth – Mittelalter am Wasser

Dartmouth, Foto: Zach Pickering / Unsplash
Dartmouth, Foto: Zach Pickering / Unsplash

Dartmouth liegt so malerisch am Fluss Dart, dass man meint, jemand hätte die Kulisse extra gebaut. Fachwerkhäuser, ein Tudor-Schloss direkt am Wasser, ein historischer Bahnhof ohne Gleisanschluss (Züge kommen bis Kingswear, eine kurze Fähre trennt die Orte). Die Dartmouth Steam Railway fährt durch das Tal – ein echtes Erlebnis, keine Touristenfalle.

Clovelly – das Dorf ohne Autos

Clovelly, Foto: Peter Wilkinson / Unsplash
Clovelly, Foto: Peter Wilkinson / Unsplash

An der Nordküste, halb versteckt in einer Klippe, liegt Clovelly: weiß getünchte Häuser, gepflasterte Gassen, kein Autoverkehr. Esel transportierten früher die Waren – heute zieht man seinen Koffer selbst über das Kopfsteinpflaster. Der Ort ist seit Jahrhunderten in Privatbesitz und sieht aus wie aus einem Roman. Das ist kein Zufall: Charles Dickens kannte ihn, und man merkt es.

Totnes – Das andere Südengland

Totnes ist eine Kleinstadt mit Charakter und Eigensinn: Märkte mit Naturkost und Handwerk, Straßenmusiker, ein normannisches Castle. Die Stadt gilt als eine der alternativsten Englands – was hier nach Klischee klingt, ist in Totnes einfach Alltag.

Torquay und die English Riviera

Torquay, Foto: Chris Boland / Unsplash
Torquay, Foto: Chris Boland / Unsplash

Die Bucht rund um Torquay, Paignton und Brixham trägt ihren Namen zu Recht: Das Klima hier ist das mildeste Englands, Palmen wachsen auf der Promenade, und das Wasser hat im Sommer eine Temperatur, die zum Schwimmen einlädt. Torquay ist außerdem die Geburtsstadt von Agatha Christie – wer mag, folgt dem örtlichen Heritage Trail.

Was man im Sommer tun sollte

South West Coast Path laufen. Der Küstenpfad durchzieht ganz Devon – man muss ihn nicht komplett gehen, um beeindruckt zu sein. Schon ein Tagesabschnitt zwischen Salcombe und Hope Cove oder um Hartland Point gibt einen Eindruck, den man nicht vergisst.

Lundy Island besuchen. Vor der Nordküste liegt eine kleine Insel ohne Autos, ohne Handynetz, aber mit Robben, Papageientauchern und einem einzigen Pub. Die Fähre legt im Sommer regelmäßig ab – ein Tagesausflug ins Nichts, der sich anfühlt wie eine andere Welt.

Cream Tea in Devon genießen. Und zwar mit Jam zuerst, Cream oben – das ist die Devoner Reihenfolge, und man verteidigt sie mit Nachdruck. (In Cornwall ist es umgekehrt. Kein Thema für leichte Konversation.)

Mit der Dampfbahn fahren. Die Dartmouth Steam Railway oder die South Devon Railway fahren durch Flusstäler und Sommerlandschaft – eine der angenehmsten Arten, Devon zu sehen, ohne selbst zu lenken.

Anreise und Lage

Devon liegt im Südwesten Englands, zwischen Bristol und der Cornish-Grenze. Der schnellste Anschluss per Bahn läuft über London Paddington nach Exeter (ca. 2,5 Stunden) – von dort erschließt man die meisten Küstenorte mit dem Bus, per Mietwagen oder mit der Regionalbahn.

Mit dem Auto kommt man über die M5 nach Exeter, von wo aus alle Küstenregionen in ein bis zwei Stunden erreichbar sind. Im Hochsommer sollte man früh starten oder einen Parkplatz vorbuchen – besonders Dartmouth und Salcombe sind dann sehr gefragt.

Fazit

Devon ist kein Kompromiss auf dem Weg nach Cornwall. Es ist ein eigenständiges Reiseziel, das zwei Küsten, eine außergewöhnliche Landschaft und Orte bereithält, bei denen man versteht, warum Engländer ihr Land lieben. Wer einmal durch Clovelly spaziert ist oder auf Blackpool Sands gesessen hat, fährt beim nächsten Mal absichtlich nach Devon – und vielleicht gar nicht mehr weiter.

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